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Glüxpiraten Segeltalk - Der Podcast für Genuss-Segler

Der Glüxpiraten Segeltalk beschäftigt sich mit allem, was Segeln zu dem großen Genuss macht: Wind, Wetter, Langsamkeit, Schnelligkeit, Weite, aber auch Technik, Sicherheit und Recht. Babsi und Eric begrüßen hier regelmäßig interessante Interviewpartner, die etwas zu sagen haben. Vom Weltumsegler bis zum Yachtbroker kommen hier alle zu Wort und lassen uns an ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung teilhaben. Dabei sammeln sie in jeder Episode neues Wissen, das sie auf dem Weg zur langen Segelreise und dem Leben auf dem Wasser brauchen können.
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Dec 15, 2016

Heute spricht Eric mit Hinnerk Weiler über seinen Weg zum Segeln, seine große Reise über den Atlantik und quer durch die USA und Hinnerks Herzensprojekt: die Segelnblogs.

Hallo Hinnerk! Bitte stell Dich doch kurz unseren Lesern vor

Im Moment lebe ich in der Schweiz, stamme aber eigentlich aus Hamburg. Ich bin Journalist und schreibe unter anderem für das Segeln-Magazin und auch für SegelnBlogs, ein Online-Segelportal, das ich selbst aufgebaut habe. Mit dem Segelradio betreibe ich auch einen Podcast.

Wie bist Du zum Segeln gekommen?

Carina 20
Carina 20

Bei mir war das echt ein Zufallstreffer: ein Freund fragte mich eines Tages "Hast Du Bock, einen Sportbootführerschein zu machen?". Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich, mitzumachen. So kam ich mit etwa fünfzehn Jahren zunächst mal ans Thema Boot fahren und Wasser. Und seitdem hat es mich nicht wieder losgelassen.

In der elften Klasse veranstaltete unser Sportlehrer einen Segelkurs. Hier hab ich dann Segeln gelernt: auf dem Oortkatensee in Hamburg Bergedorf.

Zwischendurch schlief das Thema immer wieder mal ein wenig ein, bis zu dem Moment, als ich nach einigen Jahren der Berufstätigkeit dachte: "Jetzt musst Du echt mal was vernünftiges tun!". Da hab ich mir dann ein Boot gekauft!

Das war damals eine 6m-Carina. Die Sumpfkuh! Mir ihr bin ich in der Deutschen Bucht und der Dänischen Südsee herum gepütschert.

Das hat mit schon ganz gut gefallen und ich wollte mehr. Und so entschloss ich mich, für ein halbes Jahr die Ostsee zu erkunden. Job und Wohnung hängte ich an den Nagel und bin dann auf das Schiff gezogen. Die recht kleine Ostseerund ging über Rügen, nach Schweden, entlang der schwedischen Küste bis zum Götakanal. Dann drei Monate durch die Schleusen und auf der anderen Seite wieder zurück.

Mit meinem Freund Michael konnte ich vorher noch einige "Fahrstunden" nehmen. Auf seinem 37-Fuß-Schiff sind wir bei ordentlich Wind mit Böen bis 8 Bft. durch die die Dänische Südsee. Genau das, was ich noch brauchte, um zu lernen. Schönwettersegeln konnte ich schon.

Ruhe bewahren!

Eins der Dinge, die ich bei verschiedenen Törns mit erfahreneren Skippern lernen durfte: behalte einen klaren Kopf und bleib ruhig. Für eine wirklich gefährliche Situation müssen einige Faktoren zusammen kommen. Und in allen anderen Momenten ist Ruhe einfach das Allerwichtigste. Das versuche ich auch zu leben, wenn ich selbst unterwegs bin.

Die Zeichen stehen auf Langfahrt

Irgendwann wurde mir die Carina zu klein und ich kaufte mir eine IW 31. Paulinchen!

Mit ihr hatte ich von Anfang an das Ziel, eine längere Reise zu machen. Und das hab ich ja auch die folgenden sechs Jahre verwirklicht: 2009 zog ich auf das Schiff. Es folgte zunächst mal eine große Ostseerunde um Schiff, Ausrüstung und mich aneinander zu gewöhnen und kennenzulernen und mich ans Bordleben zu gewöhnen.

Nach einem kurzen Winterstopp in Hamburg ging es weiter in Richtung Atlantik.

Über den Atlantik: ja! Barfußroute: nein!

Der Great Loop
Der Great Loop quer durch die USA und die großen Seen. Quelle: http://www.greatloop.org/

Hier zog es mich dann in Richtung Kanada. Allerdings wollte ich nicht die klassische Tradewind-Strecke Spanien Portugal - Kanaren - Carverden - Karibik fahren. Ich hatte aber den absurden Plan, den Great Loop zu befahren. Eine Binnenroute quer durch die USA, die größtenteils mit stehendem Mast befahren werden kann.

Um Zeit zu sparen wollte ich also im Frühsommer über die Azoren direkt in Richtung New York fahren, wo der Einstieg in den Great Loop erfolgen sollte.

Den Wind hat man dann natürlich die gesamte Zeit von vorne. Und der Golfstrom fließt einem auch noch entgegen. Von einem französischen Skipperteam konnte ich trotzdem eine vernünftige Route erfahren, die alle Gegebenheiten auf ein machbares Maß brachte: ein Kurs, der etwas südlicher verläuft, zunächst von den Azoren in Richtung Bermudas und im letzten Drittel der Strecke bei passendem Wetter direkt nördlich und quer durch den Golfstrom.

Dieser Plan ging nicht ganz auf. Unterwegs bekamen wir derart auf die Mütze, dass es uns schließlich nach Kanada verschlug! Eine Schwerwetterfront zwang uns zum Ausweichen und unsere Atlantiküberquerung endete in Halifax.

In langen Schlägen ging es als nun entlang der Küste in Richtung New York. Von hier aus ging es den Hudson River hinauf, durch die großen Seen und dann nach Süden bis nach Mobile / Alabama. An einigen Stellen war es notwendig, den Mast zu legen. Zwar gibt es vielerorts Klappbrücken, die eine Durchfahrt mit stehendem Mast ermöglichen würden. Doch diese Brücken werden nur zwei Mal im Jahr für die saisonal bedingt umherziehenden Boote, die "Snowbirds", geöffnet. Und das auch nur mitten in der Nacht.

Nachdem ich mir einige Beulen am nun liegenden und längs des Boots befestigten Mast geholt hatte, war ich froh, ihn in St. Louis wieder aufrichten zu können.

Willkommen

Alles in Allem ist die Segelszene in den USA vorbildlich: günstige Service- und Liegegebühren, überall freies WIFI und eine unglaublich freundliche Community. Und JEDE einzelne Straße, die hier ans Wasser führt, endet mit einem Holzsteg, an dem man sein Dinghy anbinden kann.

Überall spürt man, das man als Segler willkommen ist und man es natürlich auch gerne sieht, wenn Du nach dem Anlegen am ortseigenen, kostenlosen Town-Dock ein wenig bummeln, essen oder einkaufen gehst.

Zeitpläne kann man gerne mal mitnehmen, aber eher so als Inspiration.

Geplant waren für den gesamten Great Loop etwa neun Monate. Gedauert hat das ganze im Endeffekt zweieinhalb Jahre! Es war eben alles etwas langsamer als gedacht und ein Motorschaden kostete ebenfalls außerplanmäßig einige Zeit. Und Geld.

Arbeiten unterwegs

Der Motorschaden gehörte zu den Szenarien, von denen ich am Anfang dachte, sie würden die Reise unplanmäßig beenden. Doch mit der Hilfe von Freunden und Familie konnte ich diese unliebsame Unterbrechung glücklicherweise überbrücken und meine Tour fortsetzen.

Meinen normalen Lebensunterhalt verdiente ich auch damals schon als Journalist für das Segeln-Magazin. Insofern war ich mit meiner Arbeit ortsunabhängig und konnte meinen Schreibtisch in der Redaktion relativ unproblematisch gegen meinen Salontisch tauschen.

Die Kommunikation mit dem Verlag konnte per Internet und WLAN, notfalls vom nächsten Cafè mit WIFI geschehen. Und sogar auf hoher See, ohne Anbindung an ein Handy- oder gar WLAN-Netz ist eine Datenübertragung per Kurzwellenfunk möglich. Eine wirklich nützliche Sache, auch um mit den Lesern meines Blogs und der Facebook-Audience in Kontakt zu bleiben.

Weiter geht's in der nächsten Podcast-Folge

Das Interview mit Hinnerk war so interessant und er konnte unglaublich viel erzählen. Daher haben wir unser Gespräch in zwei handliche Päckchen aufgeteilt. Den zweiten Teil gibt's dann in zwei Wochen!

Wer bis da hin mit Hinnerk in Kontakt treten möchte, kann das auf einer seiner Webseiten tun:

Und ganz aktuell:

Am 01. Februar 2017 um 20:30 Uhr wird Hinnerk bei Globetrotter in Hamburg einen Vortrag über seine USA-Reise halten! Wer Lust hat, ihn persönlich kennenzulernen hat dort eine prima Gelegenheit!

Wer im Januar die Messe BOOT in Düsseldorf besucht, wird Hinnerk dort ebenfalls im Bühnenprogramm finden! Die genauen Termine stehen noch nicht fest, werden aber auf der Messe-Homepage veröffentlicht!

Dec 2, 2016

Heute spricht Eric mit Marcus Hertel von www.skipper-marcus.de

Marcus ist neben seinem Job als Frontend-Entwickler auch begeisterter Segler und unternimmt sowohl im heimischen Binnenrevier um Leipzig als auch auf Ostsee und Mittelmeer regelmäßig Törns.

Hallo Marcus! Bitte stell Dich doch kurz unseren Hörern vor.

Marcus Hertel
Marcus Hertel an Bord seiner Charteryacht in Griechenland

Ich bin 30 Jahre alt und wohne (auch geboren) in Leipzig.

Bin Frontend Entwickler, heißt HTML, CSS Javascript :)

Wie bist Du zum Segeln gekommen?

Ich habe im Binnenbereich auf offenen Kielbooten (Aquila) angefangen. Das war in Leipzig auf dem Cospudener See, die Segelschule gibt es aber nicht mehr (André Schabacker).

Das Jahr drauf bin ich dann mit auf SKS Ausbildungstörn (allerdings ohne Prüfung für mich) mitgekommen. Hatte sich spontan so ergeben, eigentlich wollte ich nur Binnensegeln. Hat aber viel Spaß gemacht und ich habe das weiter ausgebaut.

Mehr Infos zu meinem Segellebenslauf hier.

Besitzt Du eigenes Schiff?

Jaaa, eine Ixylon Jolle mit dem Namen "Santa Maria".

Die Ixylon ist ein sehr stabiles Boot, dass sehr schwer zu kentern ist. Außerdem ist das Cockpit ziemlich trocken.

Mir war wichtig ein Boot zu haben, dass ich sowohl zum sportlichen segeln als auch für den Badeausflug mit Familie und Freunden nutzen kann. Da die Ixylon noch gebaut wird, ist auch die Ersatzteil Versorgung sehr gut.

Charterst Du auch?

Meine Erfahrung beschränkt sich auf Mittelmeer und Ostsee.

Meinen ersten Törn als Skipper bin ich letztes Jahr in Griechenland im Ionischen Meer auf einer Bavaria 32 gefahren.

Dieses Jahr als Co-Skipper auf der Ostsee auf einer Norlin 37.

Nächstes Jahr organisiere ich 2 Törns. Einmal von Elba aus mit einer Sun Odyssey 39i.

Der zweite Törn in Griechenland mit einer Bavaria40.

Ich wohne weit vom Meer weg und Chartern ist die einzige Chance mal mit einem etwas größeren Boot zu fahren.

Welches ist Dein Traum-Schiff?

Ich bin ein Nauticat Fan. Für eine Langfahrt ist das ein tolles Schiff.

Für unseren Binnensee wäre eine Varianta18 eine gute Größe. Bei 4km Seelänge macht Größer keinen Sinn.

Wo segelst Du am liebsten?

Im Binnenbereich auf meinem Heimatrevier dem Cospudener See in Leipzig.

Die Ostsee verwöhnt mich meist mit kaltem Wetter. Ich bin deshalb lieber im Mittelmeer. Griechenland/Ionisches Meer ist ein tolles Revier, auch für Anfänger. Nächstes Jahr geht es deshalb dort auch wieder hin.

Wenn Geld keine Rolle spielte, wie sähe Deine seglerische Zukunft aus?

Wenn Geld keine Rolle spielen würde, dann ganz sicher eine Weltumseglung. Ich träume von einem längeren Törn, es muss ja vielleicht nicht gleich die Welt sein. Auch eine Ostsee Umrundung ist anspruchsvoll und reizvoll. Aber nur mit Heizung ;).

Welches ist Dein Lieblings Gegenstand am Boot oder welches Teil magst Du besonders und warum?

Der Bootshaken. Man kann viele tolle Dinge mit machen. Sogar als Selfiestick Verlängerung einsetzbar!

Bitte gib unseren Lesern eine Buchempfehlung

Buchtip Schwerwettersegeln
Schwerwettersegeln von Adlard Coles und Peter Bruce

Das Buch Schwerwettersegeln ist eins meiner Favoriten. Ist ein Klassiker.

Es gibt dort zum Beispiel spannende Analysen von Regattafeldern die in einen Sturm gekommen sind. Welche Boote sind mit welcher Taktik heil herausgekommen.

Welchen Fehler hast Du mal auf oder an dem Schiff gemacht und was war die wichtigste Lektion daraus?

Ich habe letztes Jahr in Griechenland die Warnung vor Fallwinden nicht ganz ernst genommen. Ist dann doch für kurze Zeit recht aufregend geworden. Viele Situationen die ich erlebt habe könnte ich euch erzählen aber ich glaube vieles muss man doch selber erlebt haben.

In der Segelschule war hat mein Segellehrer immer Stress gemacht, dass wir ja keine Patenthalse fahren. Empfanden wir damals als etwas übertrieben. Naja, die zweite Fahrt mit einer Jolle bin ich eine Patenthalse gefahren und dachte die Welt geht unter.

Was empfiehlst Du jemandem, der mit dem Segeln beginnen oder sich weiter entwickeln möchte?

Anfängern mit dem Ziel "SKS" rate ich nicht gleich beim ersten Törn den Schein anzupeilen. Ich selber hatte vor meinem SKS Törn 1 Woche Ausbildungstörn auf der Ostsee und 1 Woche Urlaubstörn in der Cote d' Azur hinter mir.

Nächstes Jahr werden die SKS Manöver verschärft und da wird es noch wichtiger bereits vorher Erfahrung zu sammeln.
Für Leute die sich weiterentwickeln möchten, empfehle ich einfach mal wieder eine Segelstunde zu nehmen. Es ist schön, wenn man von einem "Coach" auf paar Fehler die sich eingeschlichen haben hingewiesen wird. Auch ein anderes Boot ist eine spannende Herausforderung.

Welchen „letzten Tipp“ kannst Du uns und unseren Zuhörern mit auf den Weg geben?

Seid nicht so ernst und lacht auch mal über euch selber, wenn etwas schiefgeht.

Wie kann man Dich erreichen, wenn man Fragen an Dich hat oder mit Dir in Kontakt kommen möchte?

Den Blog von Marcus Hertel findet man unter www.skipper-marcus.de

Bei Facebook bin ich mit https://www.facebook.com/skipperMarcus/

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